Zwischen Möwen und Staren

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Lange ist es her, dass ich Zeit gefunden habe, die Geschehnisse der schnell verfliegenden Tage und Wochen festzuhalten.
Nun,  da das neue Jahr auch schon wieder mehr als vier Wochen alt ist und mein Aufenthalt in Istanbul auf einen Monat zusammen geschrumpft ist, möchte ich euch wenigstens noch die schönsten Fotos zeigen.

Was hat mich sonst in Istanbul beschäftigt?
Von Oktober bis jetzt war es vor allem die Arbeit. Ich war sehr eingespannt und habe viele Stunden damit zugebracht, mich über die Seminarinhalte zu informieren und sie so aufzubereiten, dass die Studenten sie möglichst gut verstehen können. Ob mir das gelungen ist, war leider schwer einzuschätzen, denn wie ich schon an anderer Stelle beschrieben habe, ist das Verhalten der Studenten hier gänzlich anders als ich es selbst aus der Uni kenne. Leider ist Deutsch für viele eine “Entspann- Stunde”, in der man locker sein und quatschen kann, weil endlich mal kein “harter” Inhalt wie in den Wirtschafts- oder Mathematik- Vorlesungen vermittelt wird.
Dass aber gerade die Sprachfähigkeiten so wichtig für ihr Studium, ja eigentlich die wichtigste Grundlage sind, übersehen sie dabei leider.
Nachdem ich aber ab Ende des letzten Jahres gelernt hatte, dass es allen Kollegen ähnlich geht, dass die Studenten laut sind, unaufmerksam, kaum mitarbeiten und wenig Interesse an Deutsch zeigen und mir von den Studenten selbst bestätigt wurde, dass das keinesfalls mit mir zu tun habe sondern in jedem Seminar so sei,  fiel es mir leichter, alles etwas lockerer zu nehmen.
Gegen Ende wurden dann nochmal die Kurse neu zusammen gemischt und ein paar sehr angenehme und aktive Studenten kamen in meine Gruppe, so dass auch die anderen motivert wurden, mitzuarbeiten oder auch mal zu diskutieren.
Die letzten Wochen waren dann nochmal recht angenehm. Meine Studenten haben, als sie erfuhren, dass ich bald gehen würde, immer wieder gefragt, ob ich nicht bleiben wolle, und mich mit Schokolade und Muffins bestochen, die schon auf dem Tisch standen, als ich in den Raum kam :-)

Wieviel sie aus meinem Unterricht tatsächlich mitgenommen haben, kann ich nicht sagen, aber ich denke, dass die, die etwas lernen wollten, auch die Möglichkeit dazu hatten.
Zu unserem letzten Sprachabend in diesem Semester kamen- anstatt der sonst üblichen 3 bis 7 Leute- fast 30 Studenten aus meinen Seminaren mit in ein Café, damit ich mich nochmal von ihnen persönlich verabschieden konnte. Es war echt nett,  sie endlich einmal persönlich zu sehen, Kaffee zu trinken und zu quatschen, ohne dass ich die Lehrer- und sie die Studentenrolle einnahmen.
Einige von ihnen habe ich echt lieb gewonnen und werde sie bestimmt bald nochmal treffen.

Nachdem der Film- und der Sprachabend auch beendet waren, beschäftigten uns in den letzten Wochen nur noch die- Achtung- 1100 Aufgabenblätter! Darunter waren Klausuren, Grammatikaufgaben und Arbeitsaufträge von vier Kursen. Insgesamt gab es also 1100 Abgaben, wobei aber einige davon 5- 10 Seiten umfassten!
Den Korrekturaufwand könnt ihr euch vorstellen… letzte Woche zog ich deshalb sogar für zwei Tage bei Anne ein und wir korrigierten von früh um 11 bis nachts, ohne einmal rausgegangen zu sein…
Nun ist aber auch das vorbei und ich genieße meine neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen!
Zu dieser Ferienstimmung trägt auch das wunderbare Frühlingswetter bei: wir haben dauerhaft ca.15°, die Sonne scheint ganz warm, überall sind schon Primeln gepflanzt und am Meer stehen Stühle in der Sonne, daneben Kastanien- und Teeverkäufer, die das Sonnenbad versüßen- fantastisch!

 

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Seit ich also nichts mehr zu tun habe, gehe ich noch mehr als sonst spazieren, schieße Fotos oder sitze in der Sonne am Meer.
Sehr schöne Ecken habe ich dabei entdeckt und die Stadt noch einmal ganz anders erfahren. Nicht mehr die großen Sehenswürdigkeiten, sondern kleine Gassen, hübsche Balkone, schöne Ausblicke sind es jetzt, die ich genieße.
Endlich habe ich auch Leute kennen gelernt, auf die man sich verlassen kann und bin viel mit ihnen unterwegs.

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Seit dieser Woche habe ich außerdem das zweite Niveau des Türkischkurses begonnen.
Meine Gruppe ist eine nette Zusammensetzung aus vielen interessanten Menschen- diesmal auch nicht nur Deutsche!- und ich bin die Jüngste. Der Unterricht ist sehr locker und lustig und ich bin sehr froh, jeden Morgen dort hinzugehen und viel zu lernen.
Noch bis Ende Februar werde ich damit zu tun haben. Danach bleibt mir ein Wochenende zum Packen und schon werde ich der Türkei den Rücken kehren müssen.

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Vor allem seit ich so viel Freizeit habe, denke ich, dass es schon sehr schön wäre, den Frühling hier zu verbringen und eventuell sogar die ersten Sommermonate. Kurzzeitig hatte ich sogar daran gedacht, zu verlängern und auch Anne hatte mich gefragt, ob ich nicht noch ein Semester unterrichten wolle. Aber so schön es jetzt auch ist, freue ich mich doch auch wieder, nach Deutschland zurückzukommen und selbst wieder studieren zu können.
Außerdem bin ich im Moment voller neuer Ideen und plane schon, was ich in Leipzig alles anfangen könnte mit meiner Energie, die ich im Moment habe- also Zeit, zurückzukehren.

Hier seht ihr ein paar Fotos von meinem Neujahrsspaziergang.
Achso, Silvester hatten wir auf einem Bosporus- Boot verbracht. Mit 200 anderen Studenten wurden wir von Arnavutköy zur ersten Brücke und Ortaköy geschippert und wieder zurück und hin und her.
Um Mitternacht war leider außer einem mickrigen Feuerwerk auf einem neben uns angelegten Boot nichts zu sehen- aus Solidarität mit Palästina wurden alle offiziellen feierlichkeiten und Feuerwerke abgesagt.
Das neue Jahr kam also ganz ruhig über uns und irgendwie fehlte die Knallerei schon ein bisschen.  Naja, nächstes Jahr geht es dann wieder lauter zu.

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~ von uezuentuesuez am Februar 6, 2009.

2 Antworten to “Zwischen Möwen und Staren”

  1. Schöne Fotos hast du da :)
    … obwohl, ie tuhlserie fehlt noch, aber die kanst du ja noch reinstellen, wenn sie vollständig ist – kommen bestimmt noch einige Dutzend dazu.
    Bis bald

  2. Danke :-)
    Tja, die Stuhlserie hebe ich mir für dann auf, wenn ich mit noch mehr aufwarten kann! Aber du kannst schon gespannt sein, denn es sind schon sehr lustige Exemplare dabei!

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